Die letzten 4 Jahrzehnte

Die letzten 4 Jahrzehnte ... „Bevölkerungsexplosion“

Theresienfeld gehört zu den am stärksten wachsenden Gemeinden Österreichs!
Hier die offiziellen Volkszählungsergebnisse:

  • 1961:    867 Einwohner
  • 1971: 1.115 Einwohner
  • 1981: 1.518 Einwohner
  • 1991: 1.963 Einwohner
  • 2001: 2.490 Einwohner
  • 2011: 2.942 Einwohner
  • 2018: 3.488 Einwohner, plus 445 Nebenwohnsitze, also gesamt 3.933
  • 2021: 3.817 Einwohner, plus 494 Nebenwohnsitze, also gesamt 4.311 (Stand: Januar 2021)

Diese Entwicklung führte zu einer nachhaltigen Veränderung der Gemeindestruktur. Aus einer ehemaligen Agrargemeinde wurde ein Siedlungsraum, der durch sein Wachstum vor große Aufgaben gestellt wurde. Die kommunale Infrastruktur erforderte dringend eine hohe Investitionstätigkeit. Die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen konnte dem enormen Bevölkerungszuwachs in keiner Weise standhalten. Theresienfeld wurde zu einer „Pendlergemeinde“. Der ehemalige Zusammenhalt der kleinen Dorfgemeinschaft zerfiel zusehends. Einerseits veränderten sich die Gewohnheiten in Richtung „urbaner Lebensweise“, andererseits war dies auch auf das Fehlen von Kommunikationsmöglichkeiten, zum Teil bedingt durch die Topografie des langgestreckten Ortes, zurückzuführen. Dem wirkten die zahlreichen Vereinsgründungen und Gemeindeaktivitäten entgegen. Hier seien nur der äußerst umtriebige Pensionistenclub, die bereits erwähnten Sportvereine, die Aktivitäten der Feuerwehr, des Kindergartens, der Volksschule, der Pfarrgemeinde, des Gesangsvereins, das reichhaltige Sommerferienprogramm für Kinder und die Bemühungen der Projektgruppe WIR:Theresienfeld angeführt. Dies und noch viel mehr führte dazu, dass Theresienfeld 2018 zur vereinsfreundlichsten Gemeinde im Bezirk gewählt wurde. Traurige Berühmtheit erlangte Theresienfeld durch die sogenannte Fischer-Deponie. In dieser ehemaligen Schottergrube, mit dem gigantischen Ausmaß von 800.000 m3, wurde Anfang der 70-er Jahre unter anderem gefährlicher Industrie- und Gewerbemüll abgelagert. Darunter waren hunderte Fässer mit Rückständen aus der chemischen Industrie, die das Grundwasser der Mitterndorfer Senke, einem der größten Wasserspeicher Europas und lebensnotwendig für die Trinkwasserversorgung des südlichen Wiener Beckens, kontaminierten. Bei der Sanierung der Deponie – zum damaligen Zeitpunkt größtes Altlastenprojekt Europas – wurden täglich durchschnittlich 160 LKW-Ladungen abtransportiert und geordnet gelagert. Ein Ring von Sperrbrunnen und eine Wasseraufbereitungsanlage sollten eine weitere Verseuchung des Wassers verhindern. Bis Anfang des neuen Jahrtausends verschlang die Räumung ca. € 130 Millionen.
Die Veränderungen der Infrastruktur können in diesem Rahmen nur punktuell angeführt werden: Bau des Gemeindezentrums mit Gemeindeamt, Festsaal, Turnsaal, Post, Arztordination und 18 Wohnungen (Eröffnung 1981). 1983: Modernisierung des Wasserleitungsnetzes und Errichtung eines eigenen Wasserwerkes (Trinkwasserbrunnen an der Eggendorfer Straße), das wegen der Grundwasserverschmutzung in der Mitterndorfer Senke 1990 mit einem Aktivkohlefilter ergänzt werden musste. Der gesteigerte Bedarf erforderte eine Sanierung des Tiefbehälters in der Bahnstraße und den Neubau eines Tiefbrunnenbehälters in der Tirolerbachgasse.
1990: Eröffnung der neuen Volksschule in der Roseggerstraße, Umbau des alten Gebäudes am Hauptplatz. In den neunziger Jahren war die Errichtung der Ortskanalisierung das größte kommunale Bauvorhaben. Der Südteil der Gemeinde wurde in den Jahren 1996/97 an die Kläranlage Wiener Neustadt angeschlossen. Das wesentlich größere Netz im Nordteil wurde im Jahre 1999 begonnen und im Jahre 2001 fertiggestellt. Die Marktgemeinde Theresienfeld beteiligte sich auch als Mitglied des Piestingtaler Abwasserverbandes am Neubau der Kläranlage Sollenau, in der die Abwässer aus dem Nordteil gereinigt werden. Von großer Bedeutung war auch die Errichtung von 6 Bahnunterführungen durch die ÖBB an Stelle der mehr als 20 nur durch Blinklicht gesicherten Eisenbahnkreuzungen. Durch diese Arbeiten konnte eine große Gefahrenquelle beseitigt werden. Durch den Bau der „Nordspange Wiener Neustadt“, die zu einem wesentlichen Teil auf Theresienfelder Gemeindegebiet liegt und 1999 fertiggestellt wurde, entstand eine neue Verbindung vom Südrand des Gemeindegebietes zur Autobahnauffahrt Wöllersdorf und in die Bereiche Piestingtal und Schneeberggebiet. Die generell günstige Verkehrslage Theresienfelds führte auch zur Gründung eines „Gewerbeparks“ zwischen dem ursprünglichen Ortsgebiet und der Badener Straße. Hier haben sich einige große Industriebetriebe angesiedelt, z.B. Verzinkerei, Kunststoffbehälter- herstellung, Steinverarbeitung etc. Dort und auch entlang der Hauptstraße, in den ehemaligen Gärten der „Koloniehäuser“, prägen heute immer mehr Gebrauchtwagenhändler das Ortsbild. Durch den Zuzug von jungen Familien entstand ein großer Bedarf an Einrichtungen für Kinder. 2003 wurde das Kindergartengebäude in der Kirchengasse eröffnet, 2012 der Zubau am Kindergarten in der Roseggerstraße, der bereits 2005 generalsaniert worden war. 2008 erfolgte der Ausbau der Volksschule. Die Strategie im Siedlungsbau änderte sich in den letzten Jahrzehnten: Die Gemeinde war zunächst bestrebt, das verbliebene Grünland zu erhalten, Neuaufschließungen wurden nur mehr in geringem Umfang vorgenommen, dafür stieg die Zahl von großvolumigen Wohnbauten. Einige Wohnhausanlagen und Reihenhausanlagen wurden von Genossenschaften bzw. privaten Bauträgern gebaut. 2018 wurde der örtliche Raumordnungsplan dahingehend geändert, dass der Charakter als Ein- und Zweifamilienhaussiedlung zum Großteil erhalten bleibt. Mit der Errichtung eines Bauhofes mit angeschlossenem Altstoffsammelzentrum wurde nicht nur die Arbeitssituation der Gemeindearbeiter und die Unterbringung der Gemeindefahrzeuge und Arbeitsgeräte wesentlich verbessert, sondern auch die Entsorgung von Sondermüll und wiederverwertbaren Reststoffen auf einen zeitgemäßen Standard gebracht. 2010 übersiedelte die Feuerwehr in ihr neues, modernes Gebäude in der Getreidegasse. In den letzten Jahrzehnten hat unsere Feuerwehr stark aufgerüstet. Nicht nur im technischen Bereich, sondern auch personell, was nicht zuletzt auf die Gründung der Feuerwehrjugend im Jahre 1976 zurückzuführen ist. Ihr Aufgabenbereich hat sich – wie auch in anderen Orten – von der Brandbekämpfung auf technische Einsätze (Verkehrsunfälle, Umweltkatastrophen etc.) verlagert. Aber auch im gesellschaftlichen Leben des Ortes spielt sie eine große Rolle, durch ihre Präsenz bei öffentlichen Ereignissen oder die Organisation von Veranstaltungen, z.B. Bällen. Die „Alte Feuerwehr“, Ecke Bahnstraße/Florianigasse, dient heute als Außenlager des Bauhofes. Mit der Fertigstellung der Ortsumfahrung Sollenau—Theresienfeld (B 17 neu) im Jahre 2013 wurde die bisherige Ortsdurchfahrt zur Gemeindestraße. Die Eröffnung der Umfahrung führte Landeshauptmann Pröll durch. Durch die Eröffnung eines Supermarktes im Oktober 2015 wurde der Wunsch der Bevölkerung nach einer gesicherten Nahversorgung endlich erfüllt, nachdem in den vergangenen Jahrzehnten sämtliche Lebensmittelhändler auf Grund der erdrückenden Konkurrenz der Wr. Neustädter Einkaufszentren geschlossen hatten.